Norwegen verlagert Güterverkehr von der Schiene auf die Straße

Cargonet-Güterzug auf der Dovrebanen©Øyvind Svärd
Cargonet-Güterzug auf der Dovrebanen©Øyvind Svärd

Oslo, 4. Dezember 2018. Während die Politik in anderen Ländern die Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene fördert, läuft es in Norwegen genau umgekehrt. Auf Grund der wirtschaftlichen Probleme streicht die staatliche zur NSB gehörende Güterbahn Cargonet ab 9. Dezember ein Viertel des bisherigen Zugangebots. Im vergangenen Jahr wurde ein Verlust von 49 Millionen NOK eingefahren. Betroffen sind die Sørlandsbanen, Bergensbanen und Dovrebanen. Verbunden ist damit auch ein Personalabbau. Gleichzeitig streicht Green Cargo den Containerzug von Åndalsnes nach Oslo. Auch die schwedische Güterbahn gibt dafür wirtschaftliche Gründe an. Damit nicht genug hat Cargonet angekündigt, den Verladeterminal in Bodø am Ende der Nordlandsbanen schließen zu wollen.

Allein Post Nord als größter Kunde von Cargonet ist gezwungen, 6.000 Transporte im Jahr künftig auf der Straße statt auf der Schiene abzuwickeln. Auch weitere Spediteure wie Bring und DB Schenker müssen ihre Logistikkonzepte für Norwegen umstellen. Nicht einmal die einheimischen Straßentransporteure freuen sich. Noch mehr Lastwagen und Chauffeure werden von Billiglohnländern kommen und besonders im Winter ein Sicherheitsrisiko darstellen. Es resultiert ein Teufelskreis: Mit zusätzlichen Transportkapazitäten auf der Straße wird die Konkurrenzsituation für die Schiene noch prekärer.

Während das Schienennetz im Großraum Oslo seit Jahren durch Milliardeninvestitionen modernisiert wird, hat sich auf dem ausgedehnten Landesnetz wenig gebessert. Nichts geworden ist aus den Plänen, zwischen Oslo und Trondheim die Solørbanen und Rørosbanen als parallel verlaufende Ergänzung zur Dovrebanen zu modernisieren und zu elektrifizieren, um damit Kapazität und Zuverlässigkeit zu erhöhen. Betrug die Pünktlichkeit der Güterzüge 2017 noch 80 Prozent, sank dieser Wert im laufenden Jahr auf 75 Prozent. Bei den in Oslo Alnabru abfahrenden Güterzügen sank die Pünktlichkeit sogar von 86 auf 75 Prozent. Jürg Streuli, Bahnjournalist

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