Helaba-Konjunkturbericht zu Norwegen: Öl als Energydrink

Frankfurt/Main, 3. Dezember 2018. Die Helaba beleuchtet in ihrer aktuellen Ausgabe “Konjunktur Kompakt” auch die aktuelle Wirtschaftsentwicklung in Norwegen. Bei „Konjunktur Kompakt“ handelt es sich um einen aktualisierten Auszug aus dem Kapitalmarktausblick „Märkte und Trends 2019“. Der Ausblick steht unter dem Thema „Weltwirtschaft im Fitnessstudio“ und wurde am 26. November veröffentlicht. Die Länderanalysen beziehen sich auf das Hauptszenario, dem die Researchabteilung des Finanzinstituts eine Eintrittswahrscheinlichkeit von 70 Prozent beimisst. Die gesamte Studie mit Hauptszenario und den beiden alternativen Szenarien sowie Podcasts und Videos finden Sie unter  www.helaba.com/de/researchLesen Sie hier die aktuelle Einschätzung zu Norwegen:

Das Wirtschaftswachstum in Norwegen nimmt nach einem schwachen Jahresauftakt 2018 Fahrt auf. 2019 kann das Land aber in zunehmendem Maße seine Stärke im Ölsektor ausspielen. Dank des höheren Ölpreises steigen das Vertrauen sowie die Investitionen in die Ölindustrie wieder. Entsprechend erreichte der Leistungsbilanzüberschuss Norwegens im zweiten Quartal dieses Jahres mit fast 81 Mrd. Kronen das höchste Niveau seit Anfang 2015. Auch die Auftragseingänge ziehen bereits an. Damit sollte im kommenden Jahr der Offshore-­Bereich der Haupttreiber des Wachstums sein.

Festland solide

Das Festland wird ebenfalls zum Wachstum beitragen, denn auch die Stimmung bei den Verbrauchern liegt auf sehr hohem Niveau. Im Verarbeitenden Gewerbe ist das Geschäftsklima günstig, was für solide Investitionen spricht. Per saldo gehen wir für 2019 mit 2,4 Prozent von einem stärkeren Wachstum aus. Der Arbeitsmarkt dürfte sich aufgrund der freundlichen Wirtschaftslage weiter verbessern. Dementsprechend rechnen wir mit Lohnsteigerungen um 3%. Die Inflation zog in den letzten Monaten deutlich an. Die Kern­inflation ist noch niedrig, aber aufwärts gerichtet. Im nächsten Jahr dürften die Preise um durchschnittlich 2,8% steigen und damit deutlich über dem Ziel der Notenbank von 2% bleiben.

Ein Belastungsfaktor für die norwegische Wirtschaft war 2018 der Wohnimmobilienmarkt. Nach einer Korrektur ­ziehen die Preise aber inzwischen wieder an und markierten sogar jüngst neue Allzeithochs. Im nächsten Jahr dürfte der dämpfende Effekt auslaufen und der Erwartung eines beschleunigten Wirtschaftswachstums nicht entgegenstehen.

Die Zentralbank dürfte die ­Immobilien-­Euphorie dämpfen. Schon bald könnte die Euphorie am Häusermarkt aber enden, denn die norwegische Zentralbank hat die Zins­wende ein­geleitet. So wurden die Leitzinsen Ende September erstmals seit Ende 2011 auf 0,75% angehoben. Mit Blick auf die gute wirtschaftliche Entwicklung signalisiert die Norges Bank weitere Erhöhungen. Wir gehen von einem Zinsschritt im ersten Quartal 2019 aus. Danach dürften die Zinsen im Halbjahrestakt steigen. Die Norges Bank wird vor dem Hintergrund der hohen Häuserpreise und einer Verschuldung der Privathaushalte von durchschnittlich fast 200% des Einkommens bei Zinserhöhungen jedoch mit großer Vorsicht vorgehen.

Westeuropas größter Ölproduzent verfügt über einen Staatsfonds im Umfang von 1 Billion US-Dollar, der die Einnahmen aus der Öl- und Gasindustrie verwaltet. Das Fondsvermögen wird zu gut zwei Dritteln in Aktien investiert. 30 Prozent sind in Rentenpapiere angelegt und ein geringer Teil der Investments fließt in Immobilien. Um den Wohlstand auch nach Erliegen der Ölförderung zu gewährleisten, darf die norwegische Regierung maximal 3% des Fonds­volumens jährlich ausgeben. In den letzten Jahren agierte die Fiskalpolitik expansiv, um dem Ölpreisverfall und den rückläufigen Investitionen in die Energiewirtschaft entgegenzuwirken. 2019 sollten die Einlagen die Entnahmen aus dem Staatsfonds aber wieder übertreffen. Damit ist Norwegen für den nächsten Fitnesstest gewappnet.

Ein wichtiges Thema bleibt die Unsicherheit über die Zukunft des Welthandels. Zwar exportiert das Land einen Großteil seiner Güter in die EU, die Exportentwicklung in das Vereinigte Königreich könnte jedoch unter den Folgen des Brexits leiden.

 

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