Schwedischer Mineralölkonzern Preem will CO2 auf norwegischem Festlandsockel speichern

In einer Auffanganlage in der Lysekil-Raffinerie können jährlich 500.000 Tonnen CO2 abgeschieden und unterirdisch gelagert werdn.©Preem AB
In der Lysekil-Raffinerie in Schweden können jährlich 500.000 Tonnen CO2 abgeschieden und unterirdisch gelagert werden.©Preem AB

Stockholm/ Oslo,14. November 2018.  Das Unternehmen Preem, Schwedens größter Mineralölkonzern, will CO2, das in der Lysekil-Raffinerie bei der Produktion von Kraftstoffen entsteht, künftig unterirdisch auf dem norwegischen Festlandsockel speichern. Das Unternehmen hat gemeinsam mit dem norwegischen Forschungsinstitut SINTEF und der schwedischen Technischen Universität Chalmers im Rahmen des norwegischen Forschungsprogramms CLIMIT eine Vorstudie zur Einbeziehung der Lysekil-Raffinerie in den CCS-Prozess (Carbon Capture Storage) erarbeiten. Jetzt soll ein Demonstrationsprojekt entstehen,

Kristin Jordal, Senior Researcher am norwegischen Forschungsinstitut SINTEF, erklärt dazu: „Wir haben uns für die Wasserstoffproduktionsanlage in Lysekil entschieden. Die Rauchgase haben einen hohen Kohlendioxidanteil (20 Prozent). Im Vergleich zu vielen anderen Rauchgasen lassen sich Treibhausgase hier energiesparend abtrennen.” Jordal schlägt vor, dass das Kohlendioxid nach Norwegen transportiert wird, da dort bereits das meiste Wissen und die größte Erfahrung bei der Abspaltung, dem Transport und der Lagerung von Treibhausgasen vorhanden seien.

Allerdings müsse zuvor ein bilaterales Abkommen zwischen Norwegen und Schweden geschlossen werden, da es nach dem Londoner Übereinkommen verboten ist, Abfallprodukte grenzüberschreitend ohne entsprechende staatliche Vereinbarung zu transportieren. Svante Axelsson, nationaler Koordinator der Initiative “Fossilfreies Schweden“, geht davon aus, dass dies innerhalb weniger Jahre passieren wird. Gegenwärtig werde in Schweden die Notwendigkeit einer CCS-Strategie analysiert, so Axelsson. Darüber hinaus müssten mehrere Länder zusammenarbeiten, um die Formulierungen des Londoner Übereinkommens zu ändern, damit der Kohlendioxidtransport nach Norwegen akzeptiert wird. 

Das Ölland Norwegen verfüge über enorme Fähigkeiten im Offshore-Bereich, so dass Norwegen eine Schlüsselrolle bei der Speicherung von Kohlendioxidemissionen aus mehreren EU-Ländern spiele, sagt Axelsson. Die Technologie sei ein wichtiges Puzzleteil, um bis 2050 das Null-Emissions-Ziel zu erreichen. 

Durch die Einführung von CCS in der Wasserstoffproduktionsanlage in Lysekil könnten die Kohlendioxidemissionen um 500.000 Tonnen pro Jahr (insgesamt 1,6 Millionen Tonnen) gesenkt werden, teilt das Unternehmen mit. Mattias Backmark, Leiter des Bereiches Geschäftsentwicklung bei Preem, betrachtet CCS als eine Notwendigkeit, sowohl aus klimatischer Sicht als auch aus strategischer Sicht, und hofft, dass in der Lysekil-Raffinerie bald mit dem Einsatz der Technologie begonnen werden kann. Mattias Backmark will den schwedischen Mineralölkonzern an die Spitze der Nutzung der CCS-Technologie bringen.  „Wir hoffen, dass wir von der schwedischen Energieagentur und von Gassnova Beiträge erhalten, um unser Projekt durchführen zu können. In dem Projekt möchten wir Betriebsdaten zur Abscheidung von Kohlendioxid in unserer Wasserstoffproduktionsanlage erfassen und untersuchen, wie wir Abwärme als Energiequelle nutzen können. Dies, um später eine komplette Anlage zu entwerfen. Ich erwarte, dass wir vor dem Jahreswechsel, vielleicht schon im November, Antworten auf unsere Bewerbung erhalten” Sagt Backmark.

Der Test soll im Jahr 2020 starten. Er dauert sechs Monate. 2025 soll nach Angaben von Mattias Backmark eine komplette Anlage in Betrieb genommen werden.

Bezüglich der hohen Kosten von CCS erklärt Axelsson: „CCS ist billiger als die heutige Kohlendioxidsteuer. Schätzungen zufolge kostet CCS eine  Krone Kohlendioxid pro Kilogramm, das aufgefangen und gespeichert wird.”

Bei der CCS-Technologie wird Kohlendioxid aus den Rauchgasen abgetrennt, bevor es in die Atmosphäre freigesetzt wird. Das Kohlendioxid wird dann komprimiert, um es mit einem Schiff oder per  Pipelines zu Lagerstätten unter dem Meeresboden zu transportieren. in 800 Metern Tiefe ist der Druck hoch genug, um das Kohlendioxid in flüssiger Form zu halten. Die eigentliche Lagerung erfolgt in Sedimentgesteinen wie Sandstein oder Kalkstein, der in großen Mengen außerhalb der norwegischen Küste vorkommt. Sedimentgestein ist porös und durchlässig und eignet sich daher zur Lagerung von flüssigem Kohlendioxid.

Nach Ansicht des UN-Klimarates könne CCS  mit 15 bis 55 Prozent zur notwendigen globalen Reduzierung der Kohlendioxidemissionen beitragen.

CCS wird seit den 1996 in der Sleipner-Plattform in Norwegen praktiziert.

Finden Sie hier mehr Informationen zu CCS in Norwegen.

Kontakt:
Mattias Backmark, Leiter Business Development Preem
Tel.: 073 633 61 80

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