Statens vegvesen vergibt ersten Großauftrag für Rogfast-Projekt Diskussionen um Sinnhaftigkeit des Vorhabens/ Umweltschützer wollen Elektrofähren statt Megaprojekt

Das Rogfast-Projekt – eines von mehreren geplanten Fjordüberquerungen zur Ablösung von Fähren auf der E39©NorConsult
Das Rogfast-Projekt ist eines von mehreren geplanten Fjordüberquerungen zur Ablösung von Fähren auf der E39©Norconsult

Oslo, 26. Oktober 2018. Am 8. Oktober hat die norwegische Straßenbaubehörde Statens vegvesen Informationen über den ersten großen Vertrag für den Bau des Rogast-Tunnels auf den Datenbanken Doffin und TED veröffentlicht. Der Rogfast-Tunnel soll der tiefste und längste Tunnel der Welt werden. Der Wert des Auftrages, der demnächst ausgeschrieben wird, beträgt drei bis 3,5 Milliarden NOK (ca. 316 bis 368 Millionen Euro). In der Öffentlichkeit ist nach dieser Ankündigung eine Diskussion um die Sinnhaftigkeit des Infrastrukturvorhabens entbrannt. 

Das Projekt umfasst 20,6 Kilometer Tunnel, 4,5 Kilometer Straße und fünf neue Brücken rund um die Kommune Kvitsøy. Zusätzlich werden zwei Lüftungsdüsen, die jeweils zehn Meter im Durchmesser betragen und 250 Meter  in die Tiefe führen, gesprengt.

„Technisch gesehen ist dies einer von drei Aufträgen mit den größten Herausforderungen, einschließlich der Logistik“, erklärt Sieg Espedal, Projektleiter bei Statens vegvesen. Außerdem würden zwei große Tunnelverträge und ein Vertrag für die Stomversorgung auf den Markt gebracht. Die Tunnelverträge haben einen geschätzten Wert von je 2 bis 2,5 Milliarden NOK, teilt die Straßenbaubehörde mit.

Der Rogfast-Tunnel wird der längste und tiefste Unterwassertunnel der Welt.©Statens Vegvesen

Das Rogfast-Projekt soll Wirtschaft und Bevölkerung in Westnorwegen enger miteinander verbinden. Es ist das erste Projekt zum Bau der fährenfreien Küstenstraße E39 zwischen Kristiansand und Trondheim.

Am 5. April 2017 hatte die die Regierung dem norwegischen Parlament Storting Vorschläge zur Entwicklung und Finanzierung des E39-Rogfast-Projekts in den Gemeinden Randaberg, Kvitsøy und Bokn in Rogaland vorgelegt. Am 23. Mai 2017 nahm das Storting das Projekt an.

Wenn die Verbindung in Betrieb ist, verkürzt sich die Fahrzeit zwischen Stavanger und Bergen um ca. 40 Minuten. Das Gesamtprojekt wird auf rund 16,8 Milliarden NOK geschätzt. 

Norwegische Medien traten im Zusammenhang mit der Bekanntgabe des Teilauftrages eine Debatte um die Sinnhaftigkeit des Vorhabens los. “Letzte Chance, die Notbremse zu ziehen” titelte das Stavanger Aftendblad einen Beitrag von Torfinn Ingeborgrud von der Umweltpartei De Grønne. “Wenn wir auf moderne energieeffiziente Fähren setzen, können wir enorme Treibhausgasemissionen und enorme Betriebs- und Wartungskosten einsparen. Es ist immer noch möglich, Rogfast zu stoppen, aber die Zeit ist knapp”, schreibt er in einem Artikel. Vor allem die Finanzierung des Baus, aber auch die geologische Beschaffenheit der Region sieht der Umweltaktivist als Risiken. Der Einsatz von Elektrofähren wie “Ampere” könne Kosten bei Betrieb und Wartung, große Mengen an Treibhausgasemissionen und 35 Jahre Maut sparen. Weiter lässt die Zeitung in einem Artikel den Geophysiker Christopher Kent der Camborne School of Mines in Großbritannien zu Wort kommen, der auf technische Probleme im Zusammenhang mit der Geologie der Gegend verweist.

Die Bauarbeiten für das Rogfast-Projekt begannen im Januar 2018, 2026 soll das Projekt für den Verkehr freigegeben werden. Unternehmen können sich für die Präqualifikation bis 21. November bewerben.

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