„Nachteile der Fähren abschaffen, nicht die Fähren“ SINTEF präsentiert Alternative zum Bau von Brücken und Tunneln auf der Küstenstraße E39

Sintef-Wissenschaflter sehen den Einsatz kleiner autonom fahrender elektrischer Fähren als Alternative zum Bau von Brücken und Tunneln.©SINTEF
SINTEF-Wissenschaflter sehen den Einsatz kleiner autonom fahrender elektrischer Fähren als Alternative zum Bau von Brücken und Tunneln.©SINTEF

Trondheim, 27. September 2018. Wissenschaftler des norwegischen Forschungsinstituts SINTEF Ocean schlagen Alternativen zum Ausbau der Küstenstraße E39 von Kristiansand nach Trondheim vor. Anstelle großer und teurer Brücken und Tunnel sollten eher kleine, automatisierte Fähren eingesetzt werden, mit denen durch intelligente Planung Wartezeiten vermieden und Kosten gespart werden können, schreiben Beate Kvamstad-Lervold und Ørnulf Jan Rødseth, Senior Scientists am Forschungsinstitut SINTEF Ocean, in einem Artikel. Man müsse die Nachteile der Fähren abschaffen, nicht die Fähren.

Das norwegische Parlament Storting hat beschlossen, dass eine fährenfreie Küstenstraße den Fracht- und Personenverkehr entlang der Küste revolutionieren soll. Im Nationalen Verkehrsplan für 2018 bis 2029 sind dafür 340 Milliarden NOK vorgesehen.

Aber gerade beim Straßenverkehr sei zu erwarten, dass durch neue Schiffstechnologie Güter vermehrt von der Straße auf das Meer verlagert würden, schreiben die Autoren. Das bedeute, dass sich das Verkehrsaufkommen auf der E39 verringern werde. Daher sollten Alternativen zu teuren Brücken und Tunneln in Betracht gezogen werden, zumindest an einigen Orten, schreiben die Autoren.

Kvamstad-Lervold und Rødseth schwebt ein flexibles System vor, bestehend aus vielen kleinen, elektrisch angetriebenen und hochautomatisierten Fähren. Solche Schiffe ermöglichten weit häufigere Abfahrten als der heutige Fährbetrieb. Die Chancen würden aus dem Engagement Norwegens für die autonome Schifffahrt erwachsen. Bereits 2022 soll das erste eigenständig fahrende Schiff, „Yara Birkeland“, in Betrieb sein.  Die hier verwendete Technik sei für das E39-Projekt interessant, weil es die heutigen Fähren durch viele kleine Fähren ersetzen könne – ohne eine Erhöhung der Personal- und Betriebskosten.

Ziel des teuren E39-Vorhabens ist es, durch den Bau von Brücken und Tunnel die Reisezeit zu halbieren. Die Reisezeitberechnungen im Projekt Ferjefri E39 seien Teil des Vorschlags für eine Kleinfähren-Lösung. Die Zeitersparnis in der Kalkulation der Behörden sei nicht in erster Linie auf den Verlust der Fährüberfahrt zurückzuführen, sondern auf das Warten auf dem Land.

Diese Wartezeiten würden sich mit dem Einsatz kleiner, flexibler Fähren verkürzen. Mit der Technologie der ITS-Technologie (Intelligent Transport Systems) können kleine Fähren mit ankommenden Fahrzeugen kommunizieren. Die Autofahrer würden rechtzeitig benachrichtigt, die Abfahrtszeiten und die Anzahl der Fähren könnten an die Ankunft der Autos angepasst werden. Dies würde den Energieverbrauch in der Fährflotte reduzieren und gleichzeitig die Serviceangebote für Autofahrer verbessern.

Auch geben die Autoren zu bedenken, dass die Sicherheitsvorkehrungen in den Unterwassertunnel enorm sein müssen. In den meisten europäischen Ländern sei mit Gas betriebenen Autos mit Druckbehältern sowie Fahrzeugen mit gefährlichen Gütern nicht erlaubt, Tunnel zu durchfahren. Außderdem werde der Bau von Unterwassertunneln entlang der E39 viel Zeit in Anspruch nehmen, sehr teuer werden und einen hohen Zukauf an Know-how, Dienstleistungen und Technologien aus dem Ausland erfordern.

Bei der automatischen Fjordkreuzung dagegen würden Technologien und IKT-Systeme zum Einsatz kommen, die in Norwegen zum Teil bereits entwickelt sind, und die zu jeder Zeit den effizientesten und wirtschaftlichsten Betrieb der Fähren ermöglichen.

Der entscheidende Faktor bei der Fjordüberquerung sei die Sicherheit. Daher müsse auch bei autonom fahrenden Schiffen aus Sicherheitsgründen mindestens eine Person an Bord sein, um Sicherheits- und Evakuierungssysteme zu betreiben. In Situationen, in denen mehr Fähren in Betrieb sind, könne es notwendig sein, dass einige Fähren mit Besatzung fahren, damit sie den unbemannten Schiffen bei Bedarf helfen können.

Das System der kleinen Fähren könne auch mit anderen Verkehrssystemen entlang der norwegischen Küste kombiniert werden. Denkbar sei eine Kombination aus großen Frachtschiffen im schnellen Küstenverkehr und kleinen Fährschiffen, die kleinere Städte in den Fjorden anlaufen.

In einer Zukunft, in der die Öleinnahmen zurückgehen, werde es für Norwegen wichtig, die norwegische maritime Industrie, die drittgrößte Exportindustrie des Landes, zu stärken und die Wiederansiedlung zu fördern, so Kvamstad-Lervold und Rodseth. Norwegen werde zu einem weltweit führenden Standort für autonome Seeverkehrssysteme und Schiffe. Große Infrastrukturprojekte wie das E39 könnten ein wichtiges Schaufenster sein.

Kontakt:
OrnulfJan.Rodseth@sintef.no

 

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