Drei Gewissheiten, drei Szenarien und viele Möglichkeiten Equinor präsentiert “Energy Perspectives 2018” in Berlin

Diskussion über die Perspektiven der Energieentwicklung bis 2018©BPN

Berlin, 11. Juni 2018. Die Produktion energieabhängiger Produkte und Aktivitäten nimmt zu, da sie von einer wachsenden und reicher werdenden Weltbevölkerung nachgefragt werden. Eine Energietransformation ist in vollem Gange und große Investitionen sind notwendig, um das globale Energiesystem zu verbessern. Diese drei Gewissheiten zur weiteren Entwicklung des globalen Energiesektors verkündet der neue Report “Energy Perspectives 2018”, den der norwegische Energiekonzern Equinor am 11. Juni als Auftakt einer internationalen Roadshow in Berlin vorstellte.

Olav Skalemaares©BPN
Olav Skalmeraas©BPN

Olav Skalmeraas, Leiter der Equinor-Repräsentanz in Berlin, nutzte die Gelegenheit, sein Unternehmen erstmals unter dem Namen Equinor zu präsentieren und die Gründe für den Namenswechsel des staatlichen norwegischen Unternehmens von Statoil in Equinor zu erläutern. Das bisherige Statoil sei ein Öl- und Gaskonzern gewesen. Inzwischen aber engagiere sich der Konzern immer stärker im Bereich erneuerbare Energien. Noch unter dem Namen Statoil habe das Unternehmen im vergangenen Jahr den ersten schwimmenden Windpark vor der Küste vor Schottland eröffnet. Darüber hinaus sei Statoil mit 50 Prozent am im Bau befindlichen Windpark Arkona vor Rügen beteiligt. Künftig soll das Engagement in diesem Bereich weiter ausgebaut und Equinor zu einem Energiekonzern entwickelt werden. Die Ursachen für diesen Wandel lägen auf der Hand, so Skalmeraas. “Wir können beim Klimawandel nicht einfach die Geschichte fortschreiben”, sagte der Konzernrepräsentant.

Energiezusammenarbeit Deutschland-Norwegen wird breiter

Petter Ølberg, Norwegens Botschafter in Deutschland, unterstrich in seiner Begrüßungsrede, dass Energie jahrzehntelang den wichtigste Teil der deutsch-norwegischen Beziehungen ausmachte und dies auch künftig so bleiben werde. Norwegen liefere heute ein Drittel der deutschen Erdgasimporte. Allerdings sei die Energiepartnerschaft heute breiter aufgestellt als je zuvor. Das im Bau befindliche Unterseekabel NordLink sei für die Energiewende in Deutschland wichtig. Darüber hinaus sei Norwegen am Bau des Windparks  Arkona in Deutschland beteiligt. Auch bei der Umstellung des Schiffsverkehrs auf LNG oder Hydrogen würden beide Länder eng zusammenarbeiten. Nicht zuletzt stehe Norwegen als Testlabor für Elektroautos zur Verfügung. Schließlich sei auch der Prozess der Abspaltung und Speicherung von CO2 (CCS), der in Norwegen gegenwärtig als Pilotprojekt implementiert werde, eine interessantes Projekt für Kooperationen.

Energiewende verläuft zu langsam

EirikWærness©BPN

Die von Equinor veröffentlichten “Energy Perspectives” skizzieren drei Szenarien der Entwicklung des globalen Energiesektors bis 2050: „Reform“, „Renewal“ und „Rivalry“. Wie die Studie feststellt, unterscheiden sich die Entwicklung der Weltwirtschaft, der internationalen Energiemärkte, der Treibhausgasemissionen und des Energiemix je nach Entwicklungspfad. „Die Energiewende ist bereits in vollem Gange, ihre Geschwindigkeit und Umfang bleiben jedoch unklar. Wir veröffentlichen die ‚Energy Perspectives‘-Studie, um zur Diskussion über die Energiezukunft beizutragen, Einblicke zu geben, herauszufordern und auch selbst herausgefordert zu werden“, sagt Eirik Wærness, Chefvolkswirt von Equinor.

Trotz der ambitionierten Ziele des Pariser Klimaabkommens sind der Kohleverbrauch und die CO2-Emissionen 2017 gestiegen. Auch die Nachfrage nach Öl und Gas ist erneut gewachsen. Zwar schreitet die Elektrifizierung des Mobilitätssektors voran. Sie kann jedoch nach Meinung der Autoren bei Weitem nicht mit den steigenden Absatzzahlen der Fahrzeugbranche Schritt halten.

„Die Klimadebatte ist reich an Zielen, aber arm an tatsächlichen Ergebnissen. Wir sind davon überzeugt, dass das Zwei-Grad-Ziel erreicht werden kann. Um Veränderungen im Verbrauchsverhalten und Investitionen in emissionsarme Technologien voranzubringen, braucht es ein sofortiges und gemeinsames politisches Handeln auf internationaler Ebene. Verzögerungen werden es dagegen sehr schwer machen, die Klimaziele zu erreichen“, so Wærness weiter.

In allen drei Szenarien der “Energy Perspectives” steigt der Strombedarf. Wind- und Sonnenenergie werden dabei bis zum Jahr 2050 einen bedeutenden Anteil am Strommix einnehmen. Im „Renewal“-Szenario decken Erneuerbare 2050 sogar 49 Prozent des Bedarfs, im Vergleich zu nur fünf Prozent im Jahr 2015.

Der Bedarf nach fossilen Energieträgern wird auch im Szenario mit eingehaltenem Zwei-Grad-Ziel weiterhin bestehen. Erdgas wird im Energiemix 2050 dann einen nur um zehn Prozent geringeren Anteil haben als im Jahr 2015. Der Ölbedarf hingegen wird bis 2050 um ungefähr 38 Prozent sinken.

Es werden erhebliche Investitionen in die Erschließung neuer Öl- und Gasreserven erforderlich sein. 2050 können die bereits erschlossenen Öl- und Gasfeldern den Bedarf nur noch zur Hälfte decken. In den anderen Szenarien mit größerem Bedarf an fossilen Energieträgern sind sogar noch höhere Investitionen nötig.

Rivalry-Szenario am wahrscheinlichsten

Das „Rivalry“-Szenario ist geprägt von geopolitischen Konflikten. Die Bekämpfung des Klimawandels hat hier keine politische Priorität. Erstmals werden in der diesjährigen Studie Wirtschaftszyklen berücksichtigt, die von sich abwechselnden Phasen der Rezession und Konjunkturaufschwüngen ausgehen.

Trotz eines deutlich geringeren Wirtschaftswachstums im Vergleich zum „Reform“-Szenario werden der Energiebedarf (plus vier Prozent) und die Treibhausgasemissionen (plus 22 Prozent) im „Rivalry“-Szenario höher sein. Volatilität und fehlende grenzüberschreitende Kooperation führen dazu, dass sich Energieeffizienz nur langsam verbessert und Kohle weiterhin ein bedeutender Energieträger bleibt.

„Leider deutet derzeit vieles darauf hin, dass wir auf das „Rivalry“-Szenario zusteuern. Wenn es so weitergeht, werden gemeinsame Anstrengungen der internationalen Staatengemeinschaft behindert und das globale Wirtschaftswachstum gebremst. Das sind jedoch essentielle Voraussetzungen für eine nachhaltige Entwicklung“, betont Wærness.

Nach der Vorstellung des Reports diskutierten Prof. Dr.-Ing. Peter Birkner, Geschäftsführer des House of Energy e.V., Kunal Chandra, Global Head, New Businesses, Siemens Power & Gas, und Eirik Wærness die Ergebnisse der diesjährigen Studie.

Klimawandel könnte zum Handeln zwingen

Im rasanten Klimawandel sieht Birkner den entscheidenden Treiber für die Umsetzung des Renewable-Szenarios. Er erinnerte daran, dass der Golfstrom 15 Prozent seiner Kraft verloren habe. Damit nehme die Luftfeuchtigkeit zu, Tornados in Deutschland, die es bisher nicht gab, seien heute keine Besonderheit mehr. Das könnte die Menschen zum Handeln zwingen.

Mit Technologien und Regulierung seien Lösungen für die Eindämmung der Treibhausgase möglich. Allerdings würden Ursache und Lösung divergieren. “CO2 sieht man nicht und schmeckt man nicht. Es ist vor Ort nicht spürbar”, sagte Birkner. “Wenn wir hier CO2 produzieren und irgendwo in der Südsee eine Insel überschwemmt wird, sieht man keinen Zusammenhang.”

Birkner plädierte vor allem für kleine, lokale Lösungen der Energiegewinnung. Auch rechnete er vor, dass mit den einhundert Milliarden Euro, für die Deutschland jährlich fossile Brennstoffe importiert, die Energieerzeugung zu 80 Prozent auf erneuerbare Energien umgestellt werden könnte. Dann allerdings würde man beispielsweise Norwegen etwas wegnehmen. Man müsse in Deutschland mehr über Strukturen diskutieren, politische Regulierung sollte eine größere Rolle spielen.  

Siemens-Vertreter Kunal Chandra stimmte der Verstärkung lokaler Lösungen zur Energieerzeugung zu. Die Technologien für den verstärkten Einsatz von Erneuerbaren seien jetzt schon alle vorhanden und würden auch genutzt, so Chandra. Als Beispiel nannte er die vielen Solarpanels auf den Dächern. Immer mehr Leute würden sich vom zentralen Stromnetz verabschieden und eigene Versorgungslösungen suchen. In China dagegen spiele die Versorgung über zentrale Stromnetze eine große Rolle.

Einfluss durch politische Regulierung

Die Teilnehmer diskutierten auch die Rolle der Preisgestaltung in den verschiedenen Entwicklungsszenarien. Norwegen würde mit der Gewährung umfangreicher Präferenzen für Elektroautos zeigen, dass die Entwicklung in hohem Maße politisch beeinflusst werden kann.

Auf die Frage, wie die Öl- und Gasindustrie als einer der größten Verursacher von CO2-Emissionen eine Wende einleiten kann, erläuterte Wærness das Engagement von Equinor im Bereich erneuerbare Energien. 2007 habe der Konzern die LNG-Fabrik Melkøya eröffnet. Man engagiere sich im Bereich Windenergie und bei der Entwicklung von Hybrid-Schiffen. Außerdem würde die Förderung von Öl und Gas immer effizienter erfolgen. Die Bohrungen auf dem Norwegischen Schelf seien in die Jahre gekommen – hier müssten ohnehin neue, effizientere und umweltfreundlichere  Technologien eingesetzt werden.

Nachhaltigkeit sei ein zentraler Bestandteil der Strategie von Equinor, so Wærness. Mit der Strategie, die auf den Eckpfeilern „always safe“, „high value“ und „low carbon“ aufbaut, begegne das Unternehmen den Unsicherheiten der internationalen Energiemärkte und tragen zu einer nachhaltigen Entwicklung bei.

Die Energy Perspectives 2018 stehen hier zum Download bereit. 

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