Regierung führt CCS-Projekt weiter HeidelbergCement-Tochter Norcem will erstes Zementwerk mit klimaneutraler Produktion werden

Norcem wird das CCS-Demonstrationsprojefortsetzen@Norcem
Norcem wird das CCS-Demonstrationsprojefortsetzen@Norcem

Oslo, 15. Mai 2018. Nach umfangreichen Untersuchungen hat das Ministerium für Erdöl und Energie seine Bewertung des Demonstrationsprojektes zur vollständigen Abscheidung, Förderung und Speicherung von Kohlendioxid (carbon dioxide capture and storage-CCS) in Norwegen vorgelegt und entschieden, das Vorhaben weiterhin zu finanzieren. In diesem Jahr sollen entsprechend des jetzt vorgelegten überarbeiteten Staatshaushaltes 80 Millionen NOK zur Finanzierung von FEED-Studien (Front End Engineering und Design Studies) bereitgestellt werden.

Die Gesamtmittel für das Projekt belaufen sich 2018 damit auf 280 Millionen NOK, einschließlich der 2017 bewilligten Mittel. In den kommenden Jahren erfordere die Klimaproblematik große Anstrengungen, die in einem engeren Rahmen der Budgets bewältigt werden müssen, teilt das Energieministerium mit. In den norwegischen Staatshaushalten würden für die Klimapolitik erhebliche Ressourcen priorisiert. Eine Entscheidung, einen Beitrag zur Finanzierung von Investitionen in ein norwegischen CCS-Gesamtprojekts zu leisten, müsse gegen andere Klimaschutzmaßnahmen abgewogen werden.

Die Unternehmen Norcem, Yara und Fortum Oslo Varme hatten im Herbst 2017 Konzeptstudien zur CO2-Abscheidung an ihren Industriestandorten abgeschlossen. Diese Studien wurden nun im Rahmen des externen Qualitätssicherungsprozesses für große Regierungsprojekte überprüft. Als einzigem Unternehmen bietet die Regierung Norcem, einer Tochtergesellschaft von Heidelberg Cement, eine staatliche Beihilfe zur Fortsetzung der Untersuchung der CO2-Abscheidung in ihrem Zementwerk in Brevik an. Von den drei bewerteten CO2-Abscheidungsprojekten habe Norcem die besten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Umsetzung. 

Norcem setzt Demonstrationsprojekt fort

“Dies ist die zweite Etappe auf dem Weg zum weltweit ersten Zementwerk mit vollständiger CO2-Abscheidung”, erklärte Per Brevik, Leiter Nachhaltigkeit und Projektmanager bei HeidelbergCement, nach der Bekanntgabe der Entscheidung. “Unser Projekt zur CO2-Abscheidung ist ausgereift und wir haben eine gute Resonanz erhalten. Wir sind in einer einzigartigen Position, um die CO2-Abscheidungstechnologie in der Zementindustrie zu fördern, und Norwegen hat jetzt die Möglichkeit, eine flexible Wertschöpfungskette für die Erfassung, den Transport und die Speicherung von CO2 zu entwickeln. Wenn das Projekt Realität wird, haben Norcem und HeidelbergCement die einmalige Chance, ihre Vision zu verwirklichen, klimaneutrale Produkte bis 2030 zu liefern. als der erstes Unternehmen in der Welt.”

Weitere Bewertung im Müllaufbereitungswerk Fortum

Im Müllaufbereitungswerk Fortum Oslo Varmes  sehen die Qualitätsprüfer dagegen ein größeres Risiko zur Umsetzung des Projektes. Diese beziehen sich unter anderem auf die Länge der Pipeline, die öffentliche Wahrnehmung von stadtnahen Emissionen von Aminen und die Erfahrung des Projektmanagements in der Organisation. Darüber hinaus seien die Kostenschätzungen im Vergleich zu den anderen beiden Testbetrieben erheblich höher. Diese Faktoren sprechen gegen eine Finanzierung weiterer Studien in diesem Werk. Fortum Oslo Varme habe jedoch aktualisierte Informationen zur Verfügung gestellt, die nun von externen Qualitätssicherern geprüft werden. Nach dieser Bewertung werde die Regierung prüfen, ob finanzielle Mittel zur Erarbeitung einer FEED-Studie zur Verfügung gestellt werden sollen.

Keine Weiterführung der Studien im Yara-Ammoniakwerk  

Für das Ammoniakwerk des Unternehmens Yara auf Herøya in Porsgrunn spricht sich die Regierung gegen weitere Studien aus. Auch das Unternehmen selbst sei der Ansicht, dass es industriell keinen Sinn macht, die CCS in ihrem Werk fortzusetzen.

Die Unternehmen Statoil, Total und Shell, die bei dem Demonstrationsprojekt für den CO2-Transport und die Speicherung zuständig sind,  werden ihre Arbeiten wie geplant in FEED fortsetzen.

Nach Abschluss der FEED wird die Regierung das Demonstrationsprojekt neu bewerten. Das norwegischen Parlament wird dann über eine mögliche Investition entscheiden. Ziel der Regierung sei es, eine kostengünstige Lösung für CCS in Norwegen zu realisieren, vorausgesetzt, dies führe zur internationalen Technologieentwicklung, so das Ministerium.

“Wir haben einen Meilenstein im norwegischen CCS-Demonstrationsprojekt erreicht. Ich freue mich sehr, unser fortwährendes Engagement für CCS bekanntzugeben, obwohl noch viele Probleme durch FEED gelöst werden müssen”, sagt Terje Søviknes, Minister für Erdöl und Energie.

Eine staatliche Investition in das Vorhaben werde einen großen Teil des Budgets für mehrere Jahre binden, erklärt das Energieministerium. Ohne erhebliche Unterstützung durch andere Quellen werde es schwierig sein, ein Demonstrationsprojekt zur CO2-Abscheidung und -Speicherung in Norwegen zu finanzieren. Voraussetzung sei, dass sich die Unternehmen an den Kosten und Risiken des Projekts beteiligen. Außerdem werde es notwendig sein, eine Kooperation zur Unterstützung des Projekts, beispielsweise mit der EU, zu etablieren.

2020/2021 werden das Parlament und die Unternehmen über weitere Investition in die Umsetzung des CCS-Projektes entscheiden.

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